
Die Molli-Dampflok 99 331 steht seit Samstag, 14. September, als Gastlok auf Borkum im Einsatz. Was im ersten Moment nicht allzu spektakulär klingt, bekommt erst dann die angemessene Bedeutung, wenn man sich vor Augen hält, welche spektakuläre Kooperation hier zwei Bäderbahnen eingehen: Die Mecklenburgische Bäderbahn Molli hat die Dampflok mit gewaltigem logistischen Aufwand an die Nordsee gebracht – zuzüglich acht Molli-Mitarbeitern, die sich aufgeteilt in zwei Vierer-Teams um die 99 331 und deren reibungslosen Betrieb kümmern. Gemeinsam mit dem Borkumer Personal absolvieren Mensch und Maschine in dieser Woche ein beachtliches Fahrtpensum auf der rund vier Kilometer langen Inselbahnstrecke zwischen der Reede und dem Inselort.
Das findet natürlich Aufmerksamkeit bei den Insulanern, Borkum-Urlaubern und den Eisenbahnfans: Am Eröffnungstag säumten zahlreiche Schaulustige die Strecke, um die girlandengeschmückte Lok auf der Borkumer Kleinbahn zu erleben. »Wir freuen uns sehr, dass unser Molli als Botschafter der Region Rostock auf der Insel Borkum so außerordentlich großes Interesse weckt«, sagt Sebastian Constien, Landrat des Landkreises Rostock, des größten Gesellschafters der Mecklenburgischen Bäderbahn Molli GmbH. »Wir schaffen damit Aufmerksamkeit für zwei traditionsreiche Unternehmen, die ganz zeitgemäßen Schienenverkehr in besonders beliebten Urlaubsregionen anbieten. Borkum und der Landkreis Rostock werden davon profitieren. Die hervorragende Zusammenarbeit mit der beiden Bahnunternehmen zeigt: Was wir Norddeutschen uns vornehmen, das ziehen wir auch durch«.
Der Molli an der Ostseeküste zwischen Bad Doberan und Kühlungsborn West ist gemeinsam mit der Borkumer Kleinbahn die einzige deutsche Schmalspurstrecke mit der seltenen Spurweite von 900 mm, die im öffentlichen Personenverkehr betrieben wird. Bei der Molli-Bahn handelt es sich um eine der Strecken, die bei der Reichsbahn die DDR-Zeit aktiv überstanden haben – hier wird auch heute noch Touristen mit einem dichten Fahrplan und fünf aktiven Dampfloks ordentlich Betrieb geboten. Auf Borkum, der westlichsten der ostfriesischen Inseln, endete die Dampflokzeit bereits 1968 – seit 1997 steht aber die zweiachsige Dampflok »Borkum« wieder im Einsatz und bespannt ausgewählte Züge. Befeuert wird das Maschinchen allerdings mit Leichtöl. Die 99 331 ist aber eine Maschine, die mit Kohle gefeuert wird und nun auf Borkum wieder den typischen Duft verströmt, den man hier über 50 Jahre lang nicht mehr bei der Kleinbahn riechen konnte. »Die qualmt ja richtig!«, rufen uns Passanten zu.

Mit der eigentlichen Umsetzung der Lok auf die Insel, die schon am 12. September stattfand, war die Arbeit aber nicht beendet: Zwar passt die Spurweite perfekt, aber während die Molli-Fahrzeuge das bei Schmalspurbahnen üblicherweise verwendete Mittelpuffer-Kupplungssystem, fährt man auf Borkum mit gleich zwei inkompatiblen Systemen: Die neuen Züge mit leichter Scharfenbergkupplung, die alten mit Doppelpuffern und einfachen Ketten. Damit die 99 331 also die historischen Borkumer Wagen ziehen kann, hat die Kleinbahn in der eigenen Werkstatt die gedeckten Güterwagen 33 und 55 als Adapterwagen hergerichtet. Mit jeweils einem Adapterwagen an jedem Zugende kann die 99 331 nun umsetzen und in beide Fahrtrichtungen gekuppelt werden. Die vier Lokführer des Molli haben sich am Donnerstag und Freitag mit der technischen Abnahme beschäftigten und gingen dann am Freitag, 13. September, auf Probefahrt. »Unsere Leute sind mit Herzblut dabei; die müssen schaufeln, rangieren, aufpassen und fahren – es macht denen einfach Spaß«, sagt Michael Mißlitz, Geschäftsführer und Eisenbahnbetriebsleiter des Molli, beim Pressegespräch. Theodor Robbers, Geschäftsführer und Eisenbahnbetriebsleiter der Borkumer Kleinbahn, meint dazu: »Molli hat uns personell verstärkt«, aber Mißlitz will davon nichts wissen: »Die nehmen wir auch wieder mit!«, kontert er.
Nach rund zweieinhalb Jahren Vorbereitungszeit ist der Molli nun bis zum 22. September auf Borkum zu Gast. Gemeinsam mit der Kleinbahn bietet er sowohl Regelzugfahrten als auch Sonderfahrten an. Auf die Frage von inselbahn.de, warum der Molli nur so kurz bleibe, sagte Mißlitz: »Auch wir haben Hochsaison und alle Mitarbeiter werden gebraucht.« Immerhin hat der gewaltige logistische Aufwand jede Menge helfende Hände für rund drei Wochen gebunden.
Den Gegenbesuch soll es im kommenden Jahr geben. Aus dem Umfeld des Molli ist bereits zu hören, dass Borkum dann seinen Wismarer Schienenbus T 1 nach Bad Doberan schicken wird, der damit wieder in die Nähe seines Fabrikationsortes kommen würde. Und auch obwohl ausgegebenes Werbematerial bereits den Gegenbesuch des T 1 beim Molli ankündigt, wollte sich Kleinbahn-Geschäftsführer Dr. Bernhard Brons im Gespräch mit inselbahn.de weder zu einer Bestätigung des Fahrzeugs noch zur Bekanntgabe eines Termins hinreißen lassen: »Da müssen noch viele Voraussetzungen geprüft werden.« – Malte Werning
