Der Autozug Sylt - Konkurrenz für den Sylt Shuttle

Viele Jahre waren die Autozüge zwischen Niebüll und der Insel Sylt fest in der Hand der DB. Einen ersten Versuch, dies zu ändern hat zwar bereits im Jahr 2003 die Nord-Ostsee-Bahn unternommen, ist jedoch letztlich gescheitert. Einen zweiten und am Ende erfolgreichen Versuch gab es dann im Jahr 2015 durch die RDC Deutschland, wobei hinter diesem Versuch die gleichen handelnden Personen steckten wie schon im Jahr 2003.

Ein Testzug des RDC Autozug Sylt in Morsum. Foto: N. Johannsen
Ein Testzug des RDC Autozug Sylt in Morsum.Foto: N. Johannsen

Um alle Vorgänge im Zuge dieser Betriebsaufnahme zu verstehen, ist ein ganz kurzer Blick in die Praxis der Trassenvergabe auf dem Netz der DB notwendig. Ein Teil der Trassen wird dabei über sogenannte Rahmenverträge längerfristig über mehrere Fahrplanperioden an Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) vergeben. Diese Trassen stehen dem EVU dann für die Dauer des Rahmenvertrags in den jeweiligen Fahrplänen für ein konkretes Fahrplanjahr zur Verfügung. Die verbleibenden Trassen werden jährlich neu an die EVU vergeben. Dazu bewerben sich die EVU für die einzelnen Trassen, die dann nach bestimmten Regeln, z. B. der Länge, vergeben werden. Kommt es dennoch zu Konflikten, werden die betroffenen Trassen in einem Höchstpreisverfahren unter den betroffenen EVU quasi versteigert. Und über alle diese Vorgänge wacht die Bundesnetzagentur. Der Begriff Trasse bezeichnet dabei ein für eine Zugfahrt verfügbares Zeitfenster im Fahrplan. Wegen der Belegung der Streckenabschnitte durch die Züge und der notwendigen Kreuzungen ist die Anzahl der täglich verfügbaren Trassen und damit die Kapazität der Strecke begrenzt.

Bei der Vergabe der Rahmenverträge für die Jahresfahrpläne 2016 bis 2020 hat das Unternehmen RDC Deutschland GmbH, ein Tochterunternehmen der in Pittsburgh ansässigen Railroad Development Corporation, den Zuschlag für insgesamt elf tägliche Trassen auf dem Abschnitt zwischen Niebüll nach Westerland. Damit war der Fuß in der Tür, auch wenn sich aus diesen Trassen noch kein sinnvoller Fahrplan mit über den Tag verteilten Fahrten in beide Richtungen ergab. Weitere 62 Rahmenvertragstrassen wurden für den Regional- und Fernverkehr vergeben, jedoch keine für die Sylt Shuttle der DB. Insgesamt betrafen diese Trassen etwa die Hälfte der verfügbaren Kapazität der Strecke. Die übrigen werden jeweils nur für ein Jahr neu vergeben, um auch kurzfristige Interessen der EVU wahrnehmen zu können.

Bei der Trassenanmeldung für den Jahresfahrplan 2016 griff die DB dann zu einem Trick. Sie machte sich die Regel zunutze, dass bei der Trassenvergabe eine längere Trasse Vorrang gegenüber einer kürzeren hat. Diese Regel war einst geschaffen worden, damit ein EVU nicht durch Anmeldung vieler kurzer Trassen langlaufende Güterzüge eines Wettbewerbers verhindern kann, doch hier wurde sie ins Gegenteil verdreht. Die DB meldete die Trassen für den Großteil ihrer Autozüge nicht nur für den Abschnitt zwischen Westerland und Niebüll an, sondern für einen deutlich längeren Laufweg über Niebüll hinaus, meist nach Bredstedt, aber auch nach Husum oder gar Hamburg. Dieser Trick ging letztlich auf und so erhielt die DB einen großen Teil der verfügbaren Trassen für die Autozüge zugesprochen.

Den angemeldeten Trassen musste die DB dann auch Taten folgen lassen, sprich die Trassen mussten mit real verkehrenden Zügen belegt werden. Dafür hat DB Fernverkehr elf Triebzüge der Baureihe 628.4 von DB Regio übernommen. Diese erhielten eine Neulackierung in lichtgrau mit verkehrsrotem Fensterband, der Farbaufteilung, wie sie auch die Begleitwagen der Sylt Shuttle trugen. Diese Triebzüge hängen auf dem Abschnitt von Westerland nach Niebüll jeweils hinten an den an den Autozügen und fahren dann alleine über Niebüll hinaus zu ihrem eigentlichen Ziel. In Niebüll und Westerland rangiert der Triebzug jeweils vom Bahnsteig an den Autozug bzw. umgekehrt, so dass sich unter dem Strich eine deutlich längere Fahrzeit als im Regionalverkehr ergibt. Auf der Fahrt zurück läuft das dann jeweils in umgekehrter Reihenfolge ab. Wegen der sich ergebenden Zuglänge sind die zuvor eingesetzten Begleitwagen der Sylt Shuttle entfallen und wurden durch einen auf dem Zug mitfahrenden Kleinbus ersetzt. Um davon abzulenken, dass es bei diesen Fahrten letztlich nur um die Sicherung von Trassen geht, wurde ein Vermarktungskonzept mit dem Produktnamen Sylt Shuttle plus und dem speziellen Fernverkehrstarif Insel spezial entwickelt. Real fahren die Triebzüge jedoch meist ohne Fahrgäste durch Nordfriesland.

Ein Sylt Shuttle plus rangiert in Niebüll. Foto: G. Meisner
Ein Sylt Shuttle plus rangiert in Niebüll.Foto: G. Meisner

RDC ließ sich jedoch nicht beirren, auch wenn im Dezember 2015 zunächst noch keine eigenen Züge verkehrten. Wegen der kurzen Vorlaufzeit und der unklaren Trassenvergabe kam nur der Einsatz von entsprechend angepassten gebrauchten Flachwagen in Betracht. Deren Zulassung zog sich jedoch bis in das Frühjahr hin. Im Mai 2016 wurden Testfahrten nach einem regelmäßigen Fahrplan aufgenommen, bei denen sich jedoch bald technische Probleme zeigten. Für den Betrieb des Autozug Sylt war zuvor im März 2016 das Unternehmen RDC Autozug Sylt GmbH gegründet worden. Mit der betrieblichen Durchführung der Zugfahrten wurde die Nord-Ostsee-Bahn beauftragt. Für die Traktion der Züge werden Loks des Typs Di 6 eingesetzt.

Natürlich blieben all diese Vorgänge nicht unbemerkt. Die vielen Rangierfahrten der Sylt Shuttle plus führten zu deutlich verlängerten Schließzeiten der Bahnübergänge in den Bahnhöfen Westerland und Niebüll. Außerdem sorgten sie für zusätzliche Belegung der Gleisvorfelder, was zulasten der gesamten Pünktlichkeit geht. Auch blieb natürlich nicht verborgen, dass die Züge in der Regel leer verkehren. Das und der ausbleibende Betriebsbeginn von RDC sorgten für eine intensive Berichterstattung, selbst in der überregionalen Presse. Und nicht zuletzt entstand ein erheblicher politischer Druck auf die beteiligten Unternehmen, die schließlich im Sommer 2016 die nächste Runde für die Trassenvergabe zu absolvieren hatten.

Die Trassen für das Fahrplanjahr 2017 wurden schließlich so aufgeteilt, dass die DB vier und RDC eine Zuggarnitur im Pendelverkehr einsetzen können. Dies vor Augen und nach Lösung der erkannten Probleme über den Sommer nahm der RDC Autozug Sylt am 18. Oktober 2016 den öffentlichen Betrieb mit zunächst zwei Zugpaaren am Tag auf. Zum Fahrplanwechsel wurde der Betrieb dann auf den regelmäßigen Pendelverkehr erweitert und so werden seit dem 11. Dezember 2016 sieben tägliche Zugpaare angeboten. Einen Nachteil hat RDC jedoch gegenüber der DB, denn wegen der Zulassungsanforderungen bezüglich der Breite der Fluchtwege können auf den Flachwagen keine LKW befördert werden. Für die Wagen der DB gilt diese Einschränkung dagegen nicht, da deren Zulassung unter Bestandsschutz steht.

Und auch die Sylt Shuttle plus verkehren weiter, zumindest im Jahr 2017. Um die Wartezeiten in Westerland zu reduzieren, wurde sogar extra dafür im Herbst 2016 ein neuer kurzer Bahnsteig an dem Ausziehgleis vor der Beladeanlage der Autozüge gebaut…

Liste RDC Autozug Sylt

Hersteller Fabriknr. Baujahr Herstellertyp Bauart Fahrzeugnr.

Liste 628 für Sylt Shuttle plus

Hersteller Fabriknr. Baujahr Herstellertyp Bauart Fahrzeugnr.
LHB 133-1 1993 VT 628.4 2'B'-dh 628 495     Revisionsdaten vorhanden  
LHB 140-1 1994 VT 628.4 2'B'-dh 628 501     Revisionsdaten vorhanden  
LHB 141-1 1994 VT 628.4 2'B'-dh 628 502 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
LHB 142-1 1994 VT 628.4 2'B'-dh 628 503 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
LHB 146-1 1994 VT 628.4 2'B'-dh 628 507     Revisionsdaten vorhanden  
LHB 148-1 1994 VT 628.4 2'B'-dh 628 509 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
LHB 151-1 1994 VT 628.4 2'B'-dh 628 512 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
LHB 160-1 1994 VT 628.4 2'B'-dh 628 521 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
AEG 21343 1993 VT 628.4 2'B'-dh 628 532 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
AEG 21349 1993 VT 628.4 2'B'-dh 628 535 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
AEG 21359 1993 VT 628.4 2'B'-dh 628 540 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
LHB 133-2 1993 VS 928.4 2'2' 928 495     Revisionsdaten vorhanden  
LHB 140-2 1994 VS 928.4 2'2' 928 501 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
LHB 141-2 1994 VS 928.4 2'2' 928 502 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
LHB 142-2 1994 VS 928.4 2'2' 928 503 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
LHB 146-2 1994 VS 928.4 2'2' 928 507     Revisionsdaten vorhanden  
LHB 148-2 1994 VS 928.4 2'2' 928 509 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
LHB 151-2 1994 VS 928.4 2'2' 928 512 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
LHB 160-2 1994 VS 928.4 2'2' 928 521     Revisionsdaten vorhanden  
AEG 21344 1993 VS 928.4 2'2' 928 532 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
AEG 21350 1993 VS 928.4 2'2' 928 535 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  
AEG 21360 1993 VS 928.4 2'2' 928 540 Foto(s) vorhanden   Revisionsdaten vorhanden  

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