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Normalspur

Hindenburgdamm. Foto: Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive), Bild 102-04340
Am 1. Juni 1927 fand die feierliche Erffnung des neuen Eisenbahndammes durch den Reichsprsidenten von Hindenburg und dem Generaldirektor der Reichsbahn Dr. Dorpmller statt, hier bei der Ankunft in Klanxbll.Foto: Dt. Bundesarchiv, Bild 102-04340

Sylt hatte lngst seine Inselbahn, als im Jahre 1927 auch die Normalspur die Insel ber einen festen Damm erreichte. Dies war letztlich eine Folge des Ersten Welkrieges, denn 1920 verschob sich die deutsch-dnische Grenze. Sylt gehrte bislang zum Landkreis Tondern, und die Schiffsanbindung zum Hafen Munkmarsch wurde mit Raddampfern von Hoyerschleuse aus bewerkstelligt. Nun wurde Tondern dnisch, und der Fhrhafen ebenfalls. Sylt war also mit der Eisenbahn nur noch ber dnisches Staatsgebiet erreichbar, und das verursachte neben hohen Zllen auch eine Visumspflicht fr jeden Fahrgast. Auf deutscher Seite musste also rasch eine Lsung geschaffen werden, wie die Insel auch von deutschem Festland aus erreichbar sein knnte.

Zwar konnten sich Deutschland und Dnemark kurzzeitig auf eine Transitregelung mit plombierten Zgen (!) einigen, doch war der Druck gewaltig, einen eigenen Zugang nach Sylt zu erstellen. Das war aber nicht so einfach, da die Marschlandschaft und das flache Watt kaum einen leistungsfhigen Fhrverkehr ermglichten und nordwestlich Nieblls untragbare Straenzustnde herrschten. Zu diesem Zeitpunkt wurden Plne zum Bau eines Damms quer durch das Wattenmeer aus den Schubladen geholt, die bereits 1875 erstmals auf dem Tisch lagen und wegen der Gre des Projektes mehrfach verschoben worden waren. 1923 begannen die Bauarbeiten, fr das ein Gleis von Niebll nach Klanxbll verklegt wiorden war. Nach viermonatiger Bauzeit warf eine Sturmflut das Projekt wieder weit zurck. Ein neuer Damm wurde etwas weiter nrdlich begonnen, der zwischen 1923 und 1927 auf einer Lnge von elf Kilometern das Wattenmeer teilte. Bis zu 1.500 Arbeiter schtteten ber drei Millionen Kubikmeter Sand und Klei sowie 120.000 Tonnen Steine zu einem Damm auf. Baunehmer waren das Duisburger Unternehmen Paul Fix & Shne und Philipp Holzmann in Frankfurt (Main). Der als Meisterwerk deutschen Geistes gefeierte Bau hatte eine Sohlenbreite von 50 Metern, eine Kronenbreite von elf Metern und eine Hhe von 8 Metern.

Hindenburgdamm. Foto: Gunnar Meisner
Ein Regionalzug der NOB auf dem Hindenburgdamm.Foto: G. Meisner

Am 1. Juni 1927 wurde das Projekt der ffentlichkeit bergeben: Von Klanxbll aus wurde eine durchgehende normalspurige Strecke ber den Damm bis nach Westerland auf der Insel Sylt gefhrt, wo die Bahn in der Nhe der bisherigen meterspurigen Inselbahnstationen ihren Endpunkt fand. Der Fhrverkehr zwischen Munkmarsch und Hoyerschleuse konnte damit aufgegeben werden. Erster offizieller Fahrgast war der Reichsprsident Paul von Hindenburg, der dem Damm schlielich auch seinen Namen gab. In Westerland entstand ein bahnbetriebswerk und grere Wagenabstellanlagen.

Der Damm, der ausschlielich fr die Eisenbahn gebaut wurde, wurde letztlich auch der Wegbereiter fr das Automobil auf der Insel, das der Inselbahn spter zum Verhngnis wurde. Bereits 1932 wurden erste Kraftfahrzeuge per Bahn nach Sylt transportiert. Der Verkehr auf die Insel nahm stetig zu, Westerland wurde spter mit durchgehenden Schnellzgen von Hamburg aus angefahren. Ab 1957 wurde die Strecke zur Hauptbahn heraufgestuft und spter zweigleisig ausgebaut.

Den Autoverkehr zwischen den Verladestationen Niebll und Westerland hat ab 1997 das Tochterunternehmen DB Autozug GmbH bernommen, das hierfr einen eigenen Lokpark aus Maschinen der Baureihe 215 aufgebaut hat. Sie wurden spter durch die Baureihe 218 ersetzt und ein gemeinsamer Pool mit den Loks fr die Bespannung des Fernverkehrs auf der Marschbahn gebildet. DB AutoZug wurde zum 30. September 2013 aufgelst und der Verkehr bei der DB Fernverkehr AG angesiedelt. Ab dem Jahr 2015 wurden dann sieben neue TRAXX DE ME von Bombardier beschafft, die seither die Hauptlast im Autozugverkehr tragen. Eine Fahrzeugliste ist unter dem Menpunkt Sylt Shuttle-Loks erreichbar.

Nach der Jahrtausendwende hinterlie dann die Bahnreform deutliche Spuren auf der Marschbahn. Nach einer ffentlichen Ausschreibung erhielt die Nord-Ostsee-Bahn den Zuschlag fr den zehnjhrigen Verkehrsvertrag. Im Dezember 2005 bernahm sie den Verkehr von der DB und beschaffte dafr 90 neue Reisezugwagen von Bombardier. Vor den insgesamt 15 daraus gebildeten Wendezgen kamen fortan Loks der Typen Di 6 und ER 20 zum Einsatz.

TRAXX im Landesdesign. Foto: G. Meisner
Eine TRAXX im Landesdesign bei Risum-Lindholm.Foto: G. Meisner

Das Ende des zehnjhrigen Verkehrsvertrags fhrte dann zu erneuten Vernderungen im Regionalverkehr. Da das Land Schleswig-Holstein fr die neuen Wagen eine Wiedereinsatzgarantie gegeben hatte, musste ein Konzept fr den weiteren Einsatz gefunden werden. Die Lsung war ein Fahrzeugpool fr die Regionalverkehrsfahrzeuge der Marschbahn. In einer Ausschreibung wurde ein Finanzierer gesucht, der die 90 Wagen bernimmt und modernisiert, sowie 15 passende Loks dazu beschafft. Den Zuschlag erhielt die Firma Paribus, die sich fr die TRAXX DE ME von Bombardier entschieden hat. Die Fahrzeuge werden dem Betreiber der Regionalzge seit Dezember 2015 auf Mietbasis zu Verfgung gestellt. Die neuen Loks sind im Design des Landes Schleswig-Holstein lackiert, die Wagen werden entsprechend umlackiert.

Da die Ausschreibung des Fahrzeugpools lnger dauerte als geplant, wurde zunchst der Verkehrsvertrag mit der Nord-Ostsee-Bahn um ein Jahr verlngert. In diesem Jahr kamen bereits die neuen Loks zum Einsatz und haben die vorher verwendeten Maschinen verdrngt. Die folgende Ausschreibung der Verkehrsleistungen konnte dann die DB Regio fr sich entscheiden, die mit dem Fahrplanwechsel am 11.12.2016 auf die Marschbahn zurckgekehrt ist. Unter dem Menpunkt Regionalverkehr ist eine bersicht der eingesetzten Loks zu finden.

Doch auch im Autozugverkehr ist die Welt bunter geworden. Ab Dezember 2015 hat sich das Unternehmen RDC Deutschland GmbH, eine Tochter der amerikanischen Railroad Development Corporation, eigene Trassen gesichert, um in Konkurrenz zu den DB-Zgen eigene Autotransporte durchzufhren. Diese Trassenvergabe fhrte zur Einfhrung eines Produkts mit dem Namen Sylt Shuttle plus durch die DB, um bei der konkreten Trassenzuweisung fr das Fahrplanjahr 2016 einen Vorteil gegenber RDC zu erlangen. Der daraus resultierende Fahrplan, aber auch die verzgerte Zulassung der vorgesehenen umgebauten Wagen verhinderten zunchst die Betriebsaufnahme. Im Mai 2016 begannen umfangreiche Probefahrten und schlielich fuhr am 18. Oktober 2016 der erste Autozug in Konkurrenz zum Angebot der DB. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2016 wurde schlielich der regulre Verkehr mit einer im Pendelverkehr eingesetzten Zuggarnitur unter dem Namen Autozug Sylt aufgenommen. Eine ausfhrliche Darstellung des Autozug Sylt und seiner Begleiterscheinung Sylt Shuttle plus ist unter dem Menpunkt Autozug Sylt erreichbar.

Zum Schluss noch ein Hinweis zu den auf den weiteren Seiten zum Normalspurbetrieb auf Sylt: In den Listen sind jeweils die Fahrzeuge dargestellt, die dem Verkehr nach Sylt fest, zumindest aber lngerfristig zugeordnet waren. Kurzfristig zur Aushilfe eingesetzte Fahrzeuge sind dagegen nicht enthalten.

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